„Dein Wille ist deine Grenze“

So stand es auf einem Laufplakat und es stand eindeutig über meinem Lauf beim 42.Leipzig Marathon. Bei deutlichen sonnigen Temperaturen über 25 Grad ging es heute über den Halbmarathon. Über 3000 Läufer reihten sich mit mir am Start ein und warteten darauf das es endlich losging. Mein Ziel war eine Zeit unter 2Std und so wollte ich mit dem Zeitläufer dafür mit gehen. Ich fühlte mich gut und trennte mich bereits nach 1,5km von ihm und lief etwas schneller. Vielleicht war das schon der erste Fehler heute. Auf jedenfall liefen die ersten 7,5km richtig gut, (38min) nicht zu schnell aber der 2 Std Zugläufer irgendwo im Rücken, bloss nicht umdrehen. Der Getränkepunkt in Probstheida kam und da man mit dem Wasser nicht ganz hinterher kam, wartete ich kurz auf einen Becher.

Als ich wieder loslief, sah ich plötzlich etwa 150m vor mir einen Zugläufer. Nach meinen Berechnungen hatte ich etwa 2min vor ihm gelegen. Nur klappte das rechnen scheinbar schon nicht mehr gut, auf jedenfall irritierte mich es komplett, welcher ZUgläufer war es nun? Ich versuchte ranzukommen, aber es klappte nicht. Der Zugläufer entfernte sich weiter. Ich hatte mich bisher wie gesagt gut gefühlt, aber von einem auf den anderen Moment ging nichts mehr. Das Wissen, das der 2h Läufer weg war und ich es verpasst hatte mitzugehen, blockierte bei mir alles. Am Bruno Plache Stadion lief ich das erste mal „heiss“ – der Kopf kochte und ich musste gehen. Ich hatte keinen Durst!

Nach vielleicht einer Minute ging es wieder. Die 10km Marke überquerte ich bei 58min, langsam, aber vielleicht ging ja doch noch was.  Bis zur Schleife an der Zwickauer Str hatte ich noch die Hoffnung den ZUgläufer wieder zu bekommen. Aber als ich in die Schleife lief, kam mir der 2 Std Läufer kurz darauf auf der Gegenseite entgegen, uneinholbar. In dem Moment blockierte der Kopf völlig, die Beine stockten und ich wollte nur noch zur nächsten Straßenbahn. Ich habe jedesmal das Geld für die Fahrkarte für den Notfall einstecken. Es war kein echter Notfall, aber es ging einfach nix mehr. Caro Naumann kam von hinten und wollte mich mitnehmen, so lief ich zumindest wieder los. Eine Zeit sah ich sie noch. Auf der Kurt-Eisener/Karli standen gerade offene Straßenbahnen und ich war noch ein letztes mal soweit es für heute einfach abzubrechen. „Dein Wille ist deine Grenze“ stand da und so lief ich wieder los, immer mit dem Spruch im Hinterkopf. Aus irgendeinem Grund lief es die letzten 5km nochmal besser. Vielleicht lag es an den vielen Gehenden und dem Gefühl, denen geht es noch mieser. Keine Ahnung. Ich wusste jedenfalls ich schaff es jetzt. Mit einer Zeit irgendwas um die 2:13h kam ich ins Ziel. Ohne Glücksgefühl oder dem Hype den ich sonst hatte, sondern einer Mischung aus Erleichterung doch laufend angekommen zu sein und Enttäuschung. Nicht die Kraft hatte heute gefehlt, vielleicht war es die falsche Taktik allein zu laufen, aber viel mehr war es der Kopf, der den Schalter von jetzt auf gleich umgelegt hatte. Leider gibt es auch diese Tage. In 4 Wochen ist der Rennsteiglauf bei wahrscheinlich 20Grad weniger und bis dahin muss es wieder gehen.

(ur)

2 Kommentare zu „Dein Wille ist deine Grenze“

  1. mario sagt:

    Super Uli. na klar es wird besser. Du wirst sehen. 😀

  2. Albrecht Lauterbach sagt:

    Ich finde es toll, wenn bei so langen Strecken trotz aller Beschwerden der Lauf zu Ende gebracht wird. Dieser Sieg des Willens über den Körper macht die Zeit fast zweitrangig.Respekt dafür,Uli

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